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Zwusche Poppelsdorf ound de Schwyz geund alerhand Brife hyn ound hr. P'Moutter Gyger, wo nach irer Tochter ound den nkel planget, schrybt, t'Lydia sll oumbdingt daas Tuutschland verlaa, si siged fur 's rschte willkoumm dehi, Platz hig's ggnoug. T'Schweusch-ter, wo be daas fuurcht, ound das iren euppis apging fur spuhter, stouhnt uber en Tholoog, wo p'Bduutig vo men hversprchen e dwg cheuni vergssen ound maant, p'Moutter sig nume di Jungscht ound nume blaschpbaar, ouf kn Fall turffi men ire t'Tochter mit ale feuf Chinde zoumoute. E Frundin findt wider, t'Lydia sll sych neud gfale laa, von ere jungere Rivaal-in ousegghit wrde, ound erineret a di materill schwirig ound gsllschaftli ver-achtet Posizjon, won e Gschideni ben imer na dry cheumi. En Tuutschschwyzer Cousin wider empfillt, so bald wi muglich i di sicher Schwyz hichoo. Wisoo ire d Schaaggi i dm Zmehang schrybt, findt si gspssig, aber jnou, es wirt halt be vill oumenand gschwtzt in irer Verwandtschaft. Was si na m rgeret isch de Pschid von irer Schweuschter, ire Brif sig ouhfgschnitten ound mit eme Stmpel vo de Tuutsche Znsouhr aachoo. Neud lang, da ht aw sy en drige Brif vo ous de Schwyz i de Hand. Es isch scho pynli, das di Naazi na mund iri Nasen in iri privaaten Aa-gglgehite stcke. Von irem Maa erfaart si, de Hinkel hig es Heimtckegesetz erlaa ound ver-botte, naachtiligi Mldigen is Oussland schicke. Di Polyfony in irer Korschpondnz bringt ere nuut iduutigs, ound nach langem Wrwise cha si t'Lydia neud fur en nderig entschluusse. Si erchlrt sych ggen e Schidig. Soo brouhcht si de Chind nuut z'sge devoo.

T'Lydja verschrickt, wo si de Kourt gheuhrt sych ouhfrge wi slte: "Ounbgryffli, soo euppis im zwnzgischte Jaarhoundert!" ound t'Vonnaa ergnzt: "Unerhrt, daas im Land der Dichter und Denker!" De Kourt: "Es Koultouhrverbrche!" T'Vonnaa: "Diese Schande!" Oum waas gaat's? T'Vonnaa list ous de Zytig voor, es isch de-r 11.Mi 1933:

"Ein symbolischer Akt mit luternder, krankheitsaustreibender Wirkung Gestern strmten wahre Menschenmassen die Linden entlang zum Opernplatz, um sich mit eigenen Augen zu berzeugen von der Suberung unseres Vaterlands von schdlichen Druckerzeugnissen, verpestet von verrterisch eingeschleusten Giftpilzen. Unter den Klngen des Deutschland und des HorstWesselLieds jubelten zahlreiche echte Deutsche den Studenten und Professoren zu, welche brennende Fackeln in den zu einem hohen Haufen aufgetrmten staats und sitten-verder-benden Schund meist jdischer Provenienz schleuderten, whrend tchtige SAMnner im Verein mit wackeren Polizeibeamten im Schweisse ihres Angesichts die luternde Flamme mit weiteren verbotenen Bchern speisten: Niedertracht, welche hochbeladene Kraftfahrzeuge aus pflicht-vergessenen Buchhandlungen abholten und stndig neu hinzubrachten. (Ich kann das beinah nicht vorlesen). Den Anfang des Reigens der Nestbeschmutzer machten so verantwortungslose Schmierer wie Sigmund Freud, Karl Marx, Kurt Tucholsky, Vicki Baum und Franz Werfel, aber auch Verrter wie die Brder Mann, ein Remarque und andere, welche sich auf infame Weise in die Gunst eines ahnungslosen Publikums eingeschlichen hatten. Diese waren gefolgt von einer fast endlosen Liste weniger bekannter aber nicht weniger dreister Namen "

"Ound nimer wrt si degge!" rklamirt de Kourt, "Kein Wort des Tadels in der Presse!" t'Vonnaa. "Kn Protscht!" "Deutschland schlft und ist blind." "de Mittelstand schwygt, di Profssoore schwyged, dour 's Band wgg, ales schwygt!" "Das gesamte Deutsche Volk, als ginge so was nicht alle an!" "Lider nuut Neus; aw zoum Aarirparagraaf ht inzig de Kolga Bonn-hoeffer 's Wort ergriffe!" "Im Mecklenburgischen nichts als feiges Schweigen nach dem Ausschluss der Jdischen Pastoren aus unsererer Kirche !" "Ound jtz daas: en ounerheuhrti Schand!" "Ein Kulturverbrechen!" "Mych nimmt's nou wounder, eub aw myr di r widerfaaren isch, das myni Arbeten em nazistische Hidegott ggopferet wrded." "Alles wurde verbrannt, alles Jdische, alles gegen Hitler, selbst Thomas Mann, wegen seiner Rede von 1922: "Von Deutscher Republik." "So vill ych vom Pastor Niemller gheuhrt ha, isch i Brlyn syn Buddenbrooks vom Schyter-houhffe ggrttet worde, vo me Profsser, wo souscht bgischteret mitzeuslet ht." "Auch Dblins "Berlin, Alexanderplatz, natrlich Walter Benjamin, von Ossietzky, dann Erich Kstner, Becher und selbstverstndlich Toller, Leonhard Frank, E.E.Kisch und viele andere mehr gehren zu den Opfern!" "Also, was Rang und Name ht! vor alem Luut wo tnked." "Warner vor der Barbarei!" "Es gaat oum t'Ounderdruckig vom Gischt!" "Die Vernichtung des Pfingstwunders !" "Ound soon es stoumpfsinigs, soon es mittelalterlich verblndets Wrch verubed Stoudnte, Profssoore ounbgryffli !" "Die sogenannte Elite des Landes verbrennt die Werke, denen sie alles verdanken sollte!" "Warum mached di daas? zoum sych es Vurteli verschaffe? es Peuschtli? wi de Hidgger z'Tuubinge?" "Windfahnen !" "Leund si sych mitrysse von eren aagghizte Stimig?" "Heulen mit den Wlfen !" "Ous Angscht?" "Feiglinge !" "Aber Achtig: di Bucherverbrnige sind e Machtdmonschtrazjon, e Warnig. Ks Virteljaar isch vergange sit em Rychstaagsbrand ound em Hinkel syner grawsamen ound oungrchte Rakzjon." "Weh dem, der sich aufmucken traut." "Daa chounnt na Schlimms ouf is zou, daas chounnt na ganz beuhs".

T'Lydia ht si ja inigermaasse gg e Schidig entschlosse gghaa. Aber si chan oummuglich a dm Doutt verbylose, a dm unisono furioso, so w das ire di imutigkit tout. Zwaar cha si di Empeuhrig na so gout verstaa, im Ground na so yverstande sy, ouhsgschlosse fuult si sych inewg, deby wirt's ere ganz ng. Daas mnage trois mag si nume verlyde, si snt si nach Bfrjig, si meucht nuut wder fourt. T'Nacht drouhf isch si wider lang am hirne, eub si sych doch sll lo schide. Ous de Himet wirt ere jtz starch dezou ggraate, von irer Familje, vo Frundine. sy sll mit de Chind daas schlime Rych verlaa; si ht aw gouti Aagbott, wo si fur 's rscht cheuned ounderchoo, me souchi en Arbet fur sy; e ldigi Ggousyne buutet aa, si wuur em Pawl ound em Anna louge, t'Schoule siged sowisoo ks Problm, fur de schlimmscht Fall stled verschideni ous irem Chris finanzili Ounderstutzig in Ouhssicht.

"Daas Lbe z'dritt isch doch nuut" tnkt si ound fruhgt sych, "wnn hts aw aagfange hapere mit euser Bziig? D Wchsel vom Strigel nach Linenfourt ht mych jdefalls waansinig blaschtet. Im Strigel", uberlit si, simer grad knapp 8 Jaar lang gsy. Hut chounnt mer di Zyt fascht paradysisch voor. Aber im Ground ggnaa bin i dt scho schwr enttuuscht gsy. De Kourt isch doo scho vo syner Sndig wi pssse gsy. Syn Reuhmerbrif bringt em ja aw Erfolg, doo brits, ound daa chounnt er be d Rouff nach Linenfourt uber, als Honoraarprofsser. Deby isch er uberhawpt neud voorbritet zoum Voorlsige g. Myr isch scho klaar gsy, das daas Hyn ound Hrrise ouf t'Lngi nuut wirt. Won er dnn Voorlsige git i Leinenfurt, daa moun er wret de Smschter praktisch all Wouche zw Tg dt ane. Natuurli ht er 's cheune richte, das er mit em rschte Zouhg na zour Zyt fur syni Voorlsig ir Ounivrsitt aachm ound nachane na de Nachtzouhg verwutscht. Aber bis er dnn in eusem apglgne Kaff aachounnt! Dwg fallt er natuurli vor ound nach sym Ouhftritt en halbe Taag ouhs, mindischtens. Ound ali di Luut, wo halt ouhsggrchnet a sym TuutschlandTaag mund zoum Hr Pfaarer, di chan ych dnn ver-treuhschte. Me trouckt ja aw km Snger e Gygen i t'Hand. Aber, me ggweunt sich an ales. Ound dnn chounnt er 's Jaar drouhf na der retokter uber vo dm Linefourt, ound daa isch klaar, das er sych fur en akadmischi Ggarjren entschluusst. Ound dnn na is Tuutsch ouse, feufehalbhoundert Kilomter wyt ewgg. Aber daa isch ifach uber myn Chopf ewgg pstimt worde. De Kourt ht scho ggmrkt, wi oungrn ych daas mitmache, daas verstimt en. I dm Momnt isch ihmm syni Voorlsig 's Wichtigscht, fur di opferet er syni Ncht. Schlissli mach' er daas fur p'Familje, aw fur mych. Aber was daas ales fur mych wurkli bduutet, daas ht er ni verstande.

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